Gemeinde Wachtberg

Artenschutz im Rhein-Sieg-Kreis - Teil I: Die Mehlschwalbe

Mehlschwalbe Rhein-Sieg-Kreis (tw) – Bei Artenschutz denken viele an den Regenwald und an exotische Tiere. Das ist zutreffend, aber Artenschutz fängt vor der Haustüre an - auch im Rhein-Sieg-Kreis. Fast die Hälfte der etwa 76.000 Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sind in ihrem Bestand gefährdet. Der Rhein-Sieg-Kreis möchte in loser Folge gefährdete Arten vorstellen und einfache Maßnahmen beschreiben, die jeder umsetzen kann.

Den Auftakt macht:

Die Mehlschwalbe

Schwalben waren bereits den Germanen als Frühlingsboten der Göttin Iduna heilig und sind im Christentum Maria als Marien- oder Muttergottesvogel zugeordnet. Auch der Artname weist auf eine lange Verbundenheit mit menschlichen Ansiedlungen hin.

Doch die Zahl der Schwalben nimmt stetig ab. Nach Schätzung der Vogelkundlichen Arbeitsgemeinschaft Rhein-Sieg-Kreis und Stadt Bonn sank der Brutbestand von etwa 12.500 in den 70iger Jahren auf etwa 5.000 Brutpaare - Tendenz weiter sinkend.

Auch gelten Schwalben als Wetterpropheten. Denn, wenn die Schwalben tief fliegen ist ein Gewitter im Anmarsch. Bei warmem, trockenem Wetter werden Insekten durch die aufsteigende warme Luft in die Höhe gerissen und stehen dann „oben“ als Nahrung für die Schwalben zur Verfügung. Wird es kühl und windig, beispielsweise vor einem Gewitter, suchen Insekten bodennah Schutz, die Schwalben folgen. Die Insekten sind hier also die eigentlichen Wetterpropheten. Die Bauernregel ist hier richtig. Mehlschwalben neigen übrigens dazu, insgesamt in größerer Höhe als zum Beispiel Rauchschwalben zu jagen.

Wenn Sie etwas für die Glücksbringer und Wetterpropheten tun wollen, hier einige Tipps:
Wichtigster Bestandteil des Schwalbenschutzes ist die Sicherung und Förderung bestehender Populationen, denn jedes Nest hat eine besondere Bedeutung für den Erhalt der Art. Deshalb zerstören sie niemals vorhandene Nester! Dies ist strengstens verboten. Schwalben finden immer seltener Möglichkeiten ihre Nester zu bauen. Unter anderem, weil die modernen Hausoberflächen meist zu glatt sind. Mögliche Beeinträchtigungen an Häusern können durch Kotbretter vermieden werden. Diese werden 40 – 60 Zentimeter unterhalb der Nester angebracht. Die Fassade bleibt sauber, und Elstern oder andere natürliche Feinde können nicht ins Nest gelangen.

Bieten Sie Schwalben neue Nistmöglichkeiten. Im Handel gibt es Doppelnester zu kaufen, die an oder zwischen die Dachbalken geschraubt werden. Denken Sie auch hier an das Anbringen von Kotbrettern.

Legen Sie Lehmpfützen an (cirka 1 Quadratmeter groß). Eine Erdmulde, abgedichtet mit einer Folie und mit lehmiger, stets feuchter Erde befüllt wirkt wie ein Magnet auf Schwalben und fördert die Bauaktivitäten - aber bitte so anlegen, dass sich keine Katzen anschleichen können!

Haben Sie Fragen, wünschen Sie eine Beratung oder haben Sie die Beschädigung von Schwalbennestern beobachtet, wenden Sie sich bitte an das Umwelttelefon der Kreisverwaltung des Rhein-Sieg-Kreises – Der Landrat - in Siegburg (Tel. 02241-13 22 00). (RSK)