Gemeinde Wachtberg

Artenschutz im Rhein-Sieg-Kreis - Teil II: Die Wildbienen

Artenschutz Serie Wildbiene; Mauerbiene (Foto: Sönke Behrends GNU FDL) Rhein-Sieg-Kreis (tw) - Bei Artenschutz denken viele an den Regenwald und an exotische Tiere. Das ist zutreffend, aber Artenschutz fängt vor der Haustüre an - auch im Rhein-Sieg-Kreis. Fast die Hälfte der etwa 76.000 Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sind in ihrem Bestand gefährdet. Der Rhein-Sieg-Kreis möchte in loser Folge gefährdete Arten vorstellen und einfache Maßnahmen beschreiben, die jeder umsetzen kann.

Die Wildbienen

Die "Wildbiene" ist nicht die Wildform der Honigbiene, sondern eine Bezeichnung für rund 500 verschiedene Bienenarten in Deutschland. Die Wildbienen leben meist einzeln und zurückgezogen, sind wenig bekannt und doch wichtig für die Bestäubung vieler Wild- und Kulturpflanzen. Das Brutverhalten ist bei diesen nützlichen Tieren übrigens vergleichbar. In der Regel wird eine bestehende Brutröhre benutzt oder eine neue gegraben. Dort wird in einer Zelle ein Ei gelegt und mit Nahrung versehen; die besteht entweder aus Beuteinsekten oder aus einer Pollen-Nektar Mischung. An die Brutzelle wird eine Zellwand gebaut, dann wird in die nächste Zelle ein Ei gelegt und so weiter. Die Alttiere sterben, doch die Eier entwickeln sich, um im nächsten Jahr den Zyklus zu vollenden.

Es gibt kaum einen Lebensraum, der nicht von Wildbienen besiedelt wird: Sand, Mauernischen, Holz. Ein aufgeräumter Garten, wie er gerne von Hochglanzmagazinen propagiert wird, ist biologisch nicht wertvoll, denn er bietet keine Feldwege, keine unverputzten Spalten im Mauerwerk oder Baumruinen, die von den Wildbienen gerne aufgesucht werden.

Wer heimische Artenpflege betreiben möchte, kann im Garten oder auf dem Balkon mit einfachen Mitteln nachhelfen:

  1. Pflanzen Sie einheimische Blumen und Stauden an, die Nektar anbieten.
     
  2. Reduzieren Sie den Pflegeaufwand im Garten. Damit tun Sie sich und den Tieren einen Gefallen. Legen Sie das Altholz von dickeren Ästen auf einen Haufen in eine Ecke. Lassen Sie Stängel von Sonnenblumen, Holunder und Königskerze den Winter über stehen; sandige Stellen im Garten können auch offen bleiben.
     
  3. Bieten Sie Nisthilfen an. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt: Abgelagertes Hartholz von Buche, Eiche, oder Obstgehölz wird mit waagerechten Bohrungen versehen (am besten 3 – 8 Millimeter Durchmesser) und an trockenen, sonnigen sowie Wind geschützten Stellen aufgestellt beziehungsweise aufgehängt. Hohlstängel von Bambus, Schilf oder Stroh werden waagerecht gebündelt. Markhaltige Stängel der Brombeere, des Holunders, der Himbeere, der Rose, der Distel können in cirka ein Meter langen Stücken senkrecht gebündelt werden. Alle Nisthilfen müssen an einer Seite verschlossen werden. Mauerbienen nisten gerne in Nistblöcken aus Holzbeton oder gebranntem Ton; auch Lochziegel können besiedelt werden. Wer gerne werkelt, kann vieles zu einem Insektenhotel kombinieren und mit einer Lehmwand ergänzen. Größere Stücke morschen Holzes werden auch gerne von der mediterranen Blauen Holzwespe besiedelt, einer imposanten, auffälligen und harmlosen Blütenbesucherin, die in den letzten Jahren auch im Rhein-Sieg-Kreis gesehen wurde. Sie hat braun-violette Flügel und ist mit drei Zentimetern Größe fast anderthalb Mal so groß wie eine Hummel. Sie nagt Brutgänge bis zu 30 Zentimeter in morsches Holz und legt die größten Eier in der Insektenwelt von bis zu 1,7 Zentimeter Länge.

Wer im Sommer die draußen gedeckte Kuchentafel genießen möchte, wird den Besuch von Wildbienen nicht befürchten müssen. Hier fliegen eher Wespen, die gerne auf Fleisch, Frucht, Süßes oder Saures gehen, oder Honigbienen an. In der Regel sind Wespen und Bienen nicht gegen Menschen aggressiv.

Grundsätzlich gilt bei einem Wespen- oder Bienenstich: Den eventuell verbliebenen Stachel vorsichtig entfernen. Die betroffene Stelle, beispielsweise mit einem Coolpack, kühlen! Bei einer Insektenallergie muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht oder gerufen werden! Das gleiche gilt für eventuell nachfolgende Infektionen, in diesem Zusammenhang sollte dann auch der Tetanus-Schutz überprüft werden.
Wer ein Bienennest im Garten oder am Haus vermutet, sollte dieses nicht unbedacht vernichten, sondern einen Fachmann zu Rate ziehen, der beurteilen kann, um welche Art es sich handelt, und wie das Nest am besten zu verlagern ist.

Weitere Fragen beantwortet gerne das Umwelttelefon der Kreisverwaltung in Siegburg – Der Landrat - 02241/132200. (RSK)