Gemeinde Wachtberg

Artenschutz im Rhein-Sieg-Kreis, Teil V: Der Hirschkäfer

Rhein-Sieg-Kreis Rhein-Sieg-Kreis (hei) – Bei Artenschutz denken viele an den Regenwald und an exotische Tiere. Das ist zutreffend, aber Artenschutz fängt vor der Haustüre an - auch im Rhein-Sieg-Kreis. Fast die Hälfte der etwa 76.000 Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sind in ihrem Bestand gefährdet. Der Rhein-Sieg-Kreis möchte in loser Folge gefährdete Arten vorstellen und einfache Maßnahmen beschreiben, die jeder umsetzen kann. Heute:

Geweihträger auf sechs Beinen: Der Hirschkäfer

Hirschkäfer MännchenIm Juni krabbeln sie aus ihrer Kinderstube: das bis zu 90 Millimeter lange Männchen und das etwas kleinere Weibchen. Sie sind die größten Käfer in Nordrhein-Westfalen. Kopf und Nackenschild schimmern schwarz, die Flügel dunkel- bis rotbraun. Sein Geweih bildet eine überdimensionale Kieferzange, mit der er zur Paarungszeit hartnäckige Rivalen attackiert. Das Weibchen schaut dem Treiben zu und schließt sich dann dem Stärkeren an.
 

Totes stehendes Eichenholz ist sein Ein und Alles: Das Weibchen legt seine Eier unterirdisch in den morschen Wurzeln und Stümpfen ab. Dort ernähren sich die Larven 5 bis 8 Jahre lang vom Holz. Dann wandern sie in den Boden und verpuppen sich. Nach einer Ruhezeit in der „Puppenwiege“ erblickt der fertige Hirschkäfer das Licht der Welt. Von Juni bis August trifft man ihn in der prallen Sonne, aber vermehrt in der Dämmerung oder gar nachts, wenn er am Saft eines lädierten Stammes schleckt.
 

Die starke Abhängigkeit vom Totholz hat den Hirschkäfer auf die Rote Liste gebracht. Lange Zeit bestimmte falsch verstandene Ordnungsliebe das Bild unserer Wälder. Tote und alte Stämme wurden weggeräumt, Bäume vor der Altersgrenze geschlagen, Laubwälder durch Nadelbäume ersetzt. Hohle Bäume aber bieten Vögeln, Fledermäusen, Holzwespen und eben auch dem Hirschkäfer Unterschlupf, Nistmöglichkeiten oder Nahrung.Hirschkäfer Weibchen

Wer im Garten oder auf Obstwiesen dem Lucanus cervus, wie der Hirschkäfer wissenschaftlich heißt, einen Lebensraum bieten möchte, kann in einer warmen Ecke des Gartens oder der Wiese Laubbaumreste aufstapeln und nicht mehr bewegen. Stiel- und Traubeneichen bieten sich als zukünftige Brutbäume an. Die Larven fühlen sich auch in künstlichen Moderstöcken aus Eichen-Häcksel wohl. Dabei darf das Volumen aber nicht unter zwei Kubikmeter liegen und benötigt als Ersatzlebensraum während der bis achtjährigen Larvenzeit eine langfristige ungestörte Liegemöglichkeit.

Da das Tier unter Schutz steht, darf man es nicht mit nach Hause nehmen. So hielten es auch die alten Germanen: Der Hirschkäfer war Thor heilig. Diesen Gott zu verärgern hieß Blitz und Donner anziehen, daher auch der mancherorts verwendete Namen Donnergugi. Wer den Käfer findet, sollte trotzdem handeln und Fundort und Zeitpunkt bitte dem Umwelttelefon des Rhein-Sieg-Kreises, - Der Landrat -, mitteilen, 02241/132200.