Gemeinde Wachtberg

Artenschutz im Rhein-Sieg-Kreis - Teil VI: Weder blind noch Schlange - Die Blindschleiche

Blindschleiche Rhein-Sieg-Kreis (al) – Bei Artenschutz denken viele an den Regenwald und an exotische Tiere. Das ist zutreffend, aber Artenschutz fängt vor der Haustür an. Fast die Hälfte der ca. 76.000 Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sind in ihrem Bestand gefährdet. Der Rhein-Sieg-Kreis möchte in loser Folge gefährdete Arten vorstellen und einfache Maßnahmen beschreiben, die jeder umsetzen kann.

Blindschleichen

Sie leben im Verborgenen und man kann sie am ehesten in der Dämmerung oder nach einem warmen Regen umherstreifend entdecken: Blindschleichen, die nach wie vor immer noch als Schlangen verkannt werden.

Sie haben zwar keine äußerlich erkennbaren Beine, sind aber dennoch eher mit den Eidechsen verwandt. Mit diesen verbindet sie zwei Eigenschaften: Sie können die Augen öffnen und schließen und werfen bei Gefahr ein Stück ihres dann noch zappelnden Schwanzes ab. Der verblüffte Verfolger wird dadurch genarrt und die Schleiche kann sich entfernen. Der wissenschaftliche Name Anguis fragilis (zerbrechliche Schleiche) weist auch auf diese Eigenschaft hin.

Die bis zu 40 Zentimeter große Blindschleiche findet sich vor allem in halbfeuchten bis feuchteren Bereichen also in Wäldern, auf Wiesen, Feuchtheiden aber auch in Böschungen und Gärten. Dort macht sie sich besonders nützlich, denn zu ihrer Hauptnahrung gehören Nacktschnecken und Regenwürmer. Dafür reichen ihr schwaches Gebiss und die langsame Fortbewegungsart aus. Jetzt im August kann man mit ein wenig Glück trächtige Tiere sehen oder sogar schon Jungtiere, die bei der Geburt schon 7 – 9 Zentimeter lang sind.

Dass diese Tiere blind sind, ist übrigens ein Irrglaube; die Schleiche kann sogar gut sehen: Der Name Blindschleiche hat sich wohl aus dem Althochdeutschen entwickelt: "Plintschlicho" heißt so viel wie "blendende Schleiche" und beschreibt trefflich die wunderschön glänzende Oberseite, die grau-, braun-, bronze- oder kupferfarben gefärbt sein kann. Dass dieses hübsche Tier unter strengem Artenschutz steht, ist nur zu gut nachvollziehbar.

Daher stellt sich auch die Frage, was man für die Blindschleiche tun kann. In erster Linie richtig über sie informieren, denn neben kleineren Raubtieren, Greifvögeln und der Schlingnatter ist nämlich der Mensch der größte Feind der Blindschleiche, da dieses harmlose Tier häufig noch als „gefährlich“ verkannt und erschlagen wird.

Landwirte, die Wiesen in Waldnähe haben, sollten diese nicht von außen nach innen mähen, sondern den Tieren eine Möglichkeit geben, sich unerkannt davonzuschleichen. Gartenbesitzer können Komposthaufen anlegen, die gerade in Waldnähe oder in feuchteren Bereichen die Blindschleiche anlocken können. Schneckenkorn oder andere Gifte gegen die Schnecken sollten eher gegen mechanische Maßnahmen getauscht werden, da noch nicht wissenschaftlich geklärt ist, ob der Rückgang der Schleichen auch durch Fraß vergifteter Schnecken mit verursacht wurde.

Nähere Auskünfte zum Thema Blindschleichen erteilt gerne das Umwelttelefon des Rhein-Sieg-Kreises – Der Landrat - 02241/13-22 00.