Gemeinde Wachtberg

Von Edgar Allen Poe bis Henning Mankell

Kulturwoche 2008: Kriminalliteratur stellten vor: (v.l.n.r.) Renate Hohmann, Rita Hoffmann und Wilfriede Hansen. (Foto: GW) Wachtberg-Adendorf – Einen kriminalistischen Literaturabend veranstaltete Wilfriede Hansen, Leiterin der Katholischen Öffentlichen Bücherei Sankt Margareta Adendorf anlässlich der 2. Wachtberger Kulturwoche. Rita Hoffmann und Renate Hohmann erläuterten in einem gemeinsamen Vortrag die Entwicklung des Kriminalromans von seinen Anfängen im 18. Jahrhundert bis in unsere heutige Zeit. Leseproben aus für die jeweiligen Epochen typischen Krimis sorgten für die passende „Gänsehaut“ bei den Zuhörern.

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In der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts - es ist die Zeit der Moritaten – verfasst mit Edgar Allen Poe zum ersten Mal ein Schriftsteller einen Kriminalroman. Sein Held, August Dupin, ist der erste Detektiv der Literaturgeschichte. 1887 erfindet Conan Arthur Doyle die Figur des Detektivs Sherlock Holmes und seines Gehilfen Dr. Watson. Das Ermittler-Duo wird weltbekannt. Doyle liebte seine Hauptperson nicht; er ließ sie sogar in einem Band sterben, was zu einem Aufschrei in der Leserschaft führte. Also tauchte Sherlock Holmes wieder auf, löste noch viele Fälle und ging erst 1923 „in den Ruhestand“. Obwohl es sich bei Sherlock Holmes um eine fiktive Gestalt handelt, schicken auch heute noch Fans Post an „seine Adresse“.
Im 20. Jahrhundert werden die Krimis zunehmend mit Sachkenntnissen angereichert – zumeist aus dem Bereich der Medizin. Father Brown, der Pater mit dem kriminalistischen Spürsinn, ist das genaue Gegenteil von Sherlock Holmes. Edgar Wallace beschert den Lesern eine Vielzahl, auch heute noch bekannter spannender Fälle. Als Erster benutzt er ein Diktiergerät, schreibt mehrere Bücher gleichzeitig, stirbt aber trotz seines Erfolges hoch verschuldet. Die von Agatha Christie erfundene Miss Marple sowie ihr Hercule Poirot gehen ebenso in die Kriminalliteratur ein wie die Figur des Kommissars Maigret von Georges Simenon. Der Belgier wird zudem bekannt als „Schnellschreiber“; er soll nur acht Tage pro Roman benötigt haben. Mit ihm gesellt sich erstmals ein Nicht-Engländer zu den Kriminalschriftstellern.
Deutsche Autoren sind in diesem Genre wenig zu finden – von Friedrich Schiller, E.T.A. Hoffmann und Friedrich Dürrenmatt gibt es einige kriminalistisch ausgerichtete Stücke. Krimis kommen auch aus den USA - Perry Mason und Alfred Hitchcock sind hier zu nennen. Die Schauplätze wechseln; so spielen Donna Leons Fälle um Commissario Brunetti in Venedig. Auch politische Themen werden häufig aufgegriffen. Seit einigen Jahren hat sich der Schwerpunkt der Kriminalliteratur nach Skandinavien verlagert, wo u. a. Henning Mankell mit seiner Figur des Ermittlers Wallander und seinem Stil das Krimigenre neu geprägt hat.

Kulturwoche 2008: Kriminalliteratur kann auch Spaß machen. (Foto: GW)

 

Letztendlich, so schlossen die Referentinnen Hoffmann und Hohmann ihre Ausführungen, ändern sich die Abgründe der menschlichen Seele, die die Autoren damals wie heute zu ihren Büchern inspirieren, nicht. Allein die Art der Beschreibung verändert sich. Eines gehört aber immer dazu, ohne das ein Krimi kein Krimi wäre … der gruselige Schauer beim Lesen. (GW)