Gemeinde Wachtberg

Artenschutz im Rhein-Sieg-Kreis, Teil XIII: Ein ausgeschlafener Kletterkünstler - Der Siebenschläfer

Rhein-Sieg-Kreis Rhein-Sieg-Kreis (al) – Bei Artenschutz denken viele an den Regenwald und an exotische Tiere. Das ist zwar zutreffend, aber Artenschutz fängt vor der Haustür an. Fast die Hälfte der ca. 76.000 Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sind in ihrem Bestand gefährdet. Der Rhein-Sieg-Kreis möchte in loser Folge gefährdete Arten vorstellen und einfache Maßnahmen beschreiben, die jeder umsetzen kann.

Der Siebenschläfer
Eine bis 19 cm graue Maus mit riesigen Knopfaugen, grauem Fell und einem buschigen Schwanz wie ein Eichhörnchen: Was sich wie ein Fabeltier aus einem Rollenspiel anhört, ist tatsächlich der einheimische Siebenschläfer. Das kleine Nagetier ist der Rekordhaltern unter seinen Verwandten, den Bilchen, was den Winterschlaf angeht: Tatsächlich bettet er sich im Oktober schon zur Ruhe, um erst im Mai wieder aufzuwachen: Sieben Monate Winterschlaf – er trägt also seinen Namen zu Recht.

Den Sommer genießt er dafür umso ausgiebiger. Dabei bevorzugt er Laubwälder, ist aber auch in Obstgärten und Parkanlagen anzutreffen. Er ist ein nachtaktiver Allesfresser, der geschickt bis auf die höchsten Äste klettert auf der Suche nach Rinden, Knospen Früchten und Beeren. Aber auch Insekten und Vogeleier werden nicht verschmäht. Tagsüber sucht er Verstecke auf und wenn es zufällig eine Baumhöhle mit Jungvögeln ist, können auch die seinem Appetit zum Opfer fallen.

Im Laufe der Zeit hat er sich zum Kulturfolger entwickelt und ist häufig, auch in dauerhaft bewohnten, menschlichen Anwesen zu finden. Dachgiebel, Nistkästen, Antennenkästen, Stiefel, alles kann angenommen werden, Hauptsache es ist dunkel und ruhig. Die Nester werden mit abgebissenen Blättern immer wieder frisch ausgepolstert und gleich von mehreren Tieren bewohnt.

So sehr der Siebenschläfer den Sommer genießt, so sehr kann er den Menschen auch auf die Nerven gehen, werden doch viele seiner Tätigkeiten von mannigfachen Geräuschen wie Zähnerattern, Quiek-, Schnalz- und Pfeiflauten begleitet; insbesondere während der Paarungszeit im Juni bis August. Die Jungen werden meist Ende Mai des Folgejahres geworfen. Die Familie hält über den Winter bis hin zum Frühjahr fest zusammen. Sie sammeln Vorräte, die sie in oder nahe der Höhle deponieren und fressen sich bis zum Beginn der kalten Jahreszeit eine dicke Fettschicht an. Dabei ist es nicht selten, dass sie ihr Körpergewicht von circa 120 Gramm verdoppeln.

Dies wussten bereits die Römer zu schätzen: Sie hielten Siebenschläfer (wissenschaftlich Glis glis) in so genannten „Gliarien“. Noch im 17. Jahrhundert wurde berichtet, dass Bauern dieses fette Fleisch schätzten und die Tiere als Fleischreserve für den Winter einfingen und einsalzten.

Heute ist dies natürlich nicht mehr erlaubt, da der Siebenschläfer inzwischen unter besonderem Artenschutz steht. Das Wildtier des Jahres 2004 findet sich im Rhein-Sieg-Kreis überwiegend in den waldreichen Gebieten rechts des Rheines. Im Linksrheinischen ist er eher selten, die Art hat hier die Westgrenze ihrer Verbreitung. Es ist also kein Wunder dass der Bürgerverein Nationalpark Siebengebirge den kleinen Kobold in sein Logo aufgenommen hat.

Die Experten des Rhein-Sieg-Kreises geben zum Thema Siebenschläfer folgende Artenschutztipps:
• Günstig ist es, alte Bäume zu erhalten, ebenso wie stehendes Totholz. Hier hinein zimmern Spechte Höhlen, die von zahlreichen Tieren, so auch vom Siebenschläfer genutzt werden können.
• Alternativ können Tierfreunde auch Nistkästen mit einem Fluglochdurchmesser von mindestens 3,2 Zentimetern aufhängen. Am besten gleich mehrere, da einerseits nicht alle vom Siebenschläfer benutzt werden, er aber auch gerne im Sommer schon einmal die Verstecke wechselt.
• Zusätzlich könnte man dem Siebenschläfer auch den Zugang zu selten genutzten Räumen, wie zum Beispiel Gartenlauben gestatten.

Weitere Auskünfte zum Thema Siebenschläfer erteilen gerne die Fachleute am Umwelttelefon des Rhein-Sieg-Kreises – Der Landrat - 02241/13-22 00. Alle Artikel der Serie Artenschutz sind überdies zusammen mit weiteren Informationen auf der Homepage des Rhein-Sieg-Kreises unter www.rhein-sieg-kreis.de abrufbar. (RSK)