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Partnerschaftsverein Wachtberg: Mitgliederfahrt 2017

Partnerschaftsverein Wachtberg: Spaziergang an der Ruhr in Hattingen (Foto: PV Wachtberg) Wachtberg - Am 10. Juni, 8h30, war es wieder so weit. Bei freundlichem Sommerwetter startete der Bus zur diesjährigen Mitgliederfahrt des Partnerschaftsvereins Wachtberg. Mit von der Partie waren vier italienische Gäste, die zu einem zweiwöchigen Ferienaufenthalt nach Wachtberg gekommen waren.

Giuseppe Cavallaro, der Vorstandsvorsitzende der Städtepartnerschaft von Bernareggio, mit seiner Gattin Maria Pia,  sowie das ebenfalls im Vorstand aktive  Ehepaar Stucchi.  Ziel der Fahrt war die kleine Stadt Hattingen an der Ruhr mit ihrem reichen industriellen Erbe und den sehenswertesten historischen Fachwerkbauten weit und breit.

Warum nach Hattingen? Weil es erstaunlich viel zu bieten hat!
Der erste Programmpunkt des Tages war das Industriemuseum Henrichshütte, ein ehemaliges Hüttenwerk, das 1854 als Privatunternehmen des Grafen Henrich von Stolberg-Wernigerode gegründet wurde. Dank einer Mitte des 19. Jahrhunderts aus England eingeführten Technik des koksbefeuerten Hochofens konnte die Tagesleistung von Roheisen vervielfacht werden, und das Hüttenwerk florierte. Mit bis zu 10 000 Beschäftigten lieferte die Henrichshütte noch in den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts als  Hauptarbeitgeber in Hattingen  ein breites Spektrum aus Eisen und Stahl, von der Schiffsschraube bis zum Raketenbauteil, vom Autoblech bis zum Panzergehäuse. Doch dann begann der Niedergang der Kohle- und Schwerindustrie im Ruhrgebiet. Schließlich wurde 1987 der letzte Hochofen der Henrichshütte vom damaligen Eigentümer, der Thyssen Henrichshütte AG, stillgelegt. 1989 übernahm der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Bauten mit dem dazugehörigen Inventar in sein Industriemuseum. Gasometer, Blasstahlwerk und Schornsteine wurden gesprengt. Nur der Hochofen 3 blieb erhalten und stellt heute die Hauptattraktion des Museums dar.

Nach der sehr informativen Führung wurde das Mittagessen im Henrichs-Restaurant eingenommen, das, umgeben von Ausstellungsräumen, das Herzstück des Museums bildet. Danach  stand ein Verdauungsspaziergang auf dem Programm, der in die  weitläufigen Uferanlagen der Ruhr führte. Auf den breiten, grünen Wiesen genossen kleine Gruppen ein Picknick, Ruder- und Paddelboote zogen ihre Bahn auf dem Fluss, Ferienstimmung kam auf.

Nun aber winkte die Altstadt von Hattingen. Diese ehemalige Hansestadt besitzt einen der schönsten geschlossenen Altstadtkerne Deutschlands. 143 sachkundig und liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser aus einer frühen wirtschaftlichen Blütezeit  der Jahre 1554 bis 1620 gruppieren sich um den Kirchplatz, der von der St. Georgskirche überragt wird. Diese geht auf ein etwa 1200 errichtetes romanisches Bauwerk zurück, das nach einem Brand zu einer gotischen Hallenkirche und 1810 zu einer klassizistischen Saalkirche umgebaut wurde. Dieses eindrucksvolle Ambiente erregte allgemeine Bewunderung.

Es war inzwischen Nachmittag und ziemlich heiß. Die Begeisterung der Teilnehmer, einen weiteren geführten Rundgang zu unternehmen, hielt sich in Grenzen. Zahlreiche Straßencafés vor den malerischen Fachwerkfassaden lockten viele mit erfrischenden Getränken zum Verweilen. Doch einige Unverzagte besichtigten die historischen Bauwerke anhand eines kleinen bebilderten Führers, den die Teilnehmer zur Vorsorge vorab erhalten hatten. Der Nachmittag klang aus in entspannter Kaffeerunde mit angeregter Unterhaltung  im historischen „ Hotel-Restaurant zur alten Krone.

Auf dem Heimweg gab es im Bus noch einen kleinen Aperitif, mit dem auf das gute Gelingen des Ausflugs angestoßen wurde. Die Teilnehmer waren vom diesjährigen Reiseziel  Hattingen sehr angetan, hatten doch die meisten bisher noch keinerlei Vorstellung davon gehabt, was dieser Ort zu bieten hat. Die vielfältigen Eindrücke waren ein lebendiger Beweis dafür, wie ein industriell ausgebeuteter und teilweise verödeter Landstrich zu einer gesunden grünen Lunge renaturiert werden kann.

Partnerschaftsverein Wachtberg: Bootsfahrt mit u.a. (v.l.n.r.) Giuseppe u. Maria Pia Cavallaro, Bernadette Conraths, Alberto Stucchi, u. (vorne) Helga Köhnen. (Foto: PV Wachtberg)

Die italienischen Gäste aus der Partnerschaftsgemeinde verbrachten noch weitere anregende und entspannende Tage: Einige Vorstandsmitglieder des Partnerschaftsvereins zeigten ihnen weitere schöne und interessante Aspekte unserer Region. Neben dem obligatorischen Rundgang durch Bonn und zum Bonner Bogen und dem Besuch in Köln und Aachen gab es eine Bötchentour von Boppard zur Loreley, einen Ausflug zum Braunkohleabbau bei Bedburg, einen Besuch auf Schloss Bürresheim sowie viele gesellige Stunden bei Brunch und Grillfesten. Die vier Freunde aus Bernareggio erklärten sich sehr beeindruckt von der Vielfalt der Eindrücke und der für sie unerwarteten Herzlichkeit, mit der sie überall aufgenommen wurden.  Sie werden, so Giuseppe Cavallaro, ihren Deutschunterricht zuhause mit frischer  Motivation wieder aufnehmen.