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Neben der Autobahn ein Juwel mittelalterlicher Baukunst: Burg Münchhausen

Burg Münchhausen (Foto: Privat) Wachtberg-Adendorf - Die Aktionsgemeinschaft für den Schutz der Landschaft in Wachtberg und Umgebung lädt ein zur Besichtigung und Führung durch die Burg Münchhausen in Adendorf am 22. September ein.

Das nördliche Rheinland ist übersät mit mittelalterlichen Burgen, neuzeitlichen Schlössern und historischen Adelssitzen, von denen sich einige einer großen Aufmerksamkeit erfreuen, während andere ein Schattendasein führen – darunter auch viele der historisch und architektonisch bedeutenden Landesburgen der Erzbischöfe von Köln und der regionalen weltlichen Dynastien. Ein besonders eklatantes Beispiel für die Nichtwahrnehmung eines wichtigen mittelalterlichen Baudenkmals in der Öffentlichkeit, aber auch in der Fachwelt stellt die Wasserburg Münchhausen südwestlich von Bonn dar, ein Juwel der Profanarchitektur im nördlichen Rheinland. Trotz ihrer heutigen prominenten Lage in Sichtweite der Autobahn A 665 zwischen dem Kreuz Meckenheim und Bonn blieb diese trutzige Wehranlage bis heute so gut wie unbekannt.

Errichtet um 1200 durch die Grafen von Are-Hochstaden, gelangte die Burg Münchhausen bereits zwei Generationen später, um die Mitte des 13. Jahrhunderts, an das Erzbistum Köln, bei dem sie bis zum Ende des Alten Reiches (um 1800) verbleiben sollte. Anschließend gelangte sie in adeligen Privatbesitz. 1960 erwarb der bisherige Pächter, der 1988 verstorbene Landwirt Fritz Nettekoven, die Burg und richtete hier einen Reiterhof ein. Sein Enkel Manfred Nettekoven und seine Schwiegertochter Katharina, die in einem 1971 errichteten Wohnhaus neben der historischen Burganlage wohnt, führen den Betrieb fort, mit sehr viel Rücksicht auf dieses einzigartige Baudenkmal.

Nun ist endlich im Mai dieses Jahres ein Buch erschienen, das erstmals in umfassender Weise die historische Entwicklung und den umfangreich erhaltenen, mittelalterlichen Baubestand der Burg Münchhausen darstellt und analysiert. Außerdem wird, von dem exzeptionellen Baubestand der Burg ausgehend, ausführlich die Wiederverwendung von Gussbetonquadern aus der römischen Eifelwasserleitung nach Köln an zahlreichen mittelalterlichen Kirchen, Burgen und anderen Bauwerken der Region thematisiert. Herausgegeben hat es die Deutsche Burgenvereinigung e.V. mit Sitz in Braubach.

Der Autor ist Lutz Jansen, der seit 1997 in Dresden lebt und in Mitteldeutschland als Archäologe tätig ist. Er ist in der Nähe von Bergheim bei Köln geboren, hat Ur- und Frühgeschichte, Kunstgeschichte, Geschichte und Mittelalterarchäologie in Köln und Bamberg studiert und sich in den vergangenen Jahren intensiv mit den Burgen, Adelssitzen und Stadtbefestigungen seiner „alten“ Heimat beschäftigt und hierüber zahlreiche Aufsätze und Bücher geschrieben. So wurde es ihm ein Dorn im Auge oder ein Stachel in seinem Historikerherzen, als er erkennen musste, dass Burg Münchhausen, diese gut erhaltene, stauferzeitliche Wehranlage weder in der Fachwelt noch in einer interessierten Öffentlichkeit die angemessene Beachtung fand. Mit der tatkräftigen und Stunden währenden Unterstützung von Katharina Nettekoven, der dieses Buch auch gewidmet ist, führte er eine genaue Untersuchung des noch vorhandenen Baubestandes durch. Und sein neuestes Buch hält das spannende Ergebnis fest: Lutz Jansen, Münchhausen, eine übersehene Wasserburg der Stauferzeit im nordöstlichen Eifelvorland, Braubach 2018.

Ursula Perkams, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft für den Schutz der Landschaft in Wachtberg und Umgebung, hat Lutz Jansen viele Jahre in seinen Bemühungen um Burg Münchhausen begleitet.

Am Samstag, dem 22. September 2018 um 15 Uhr wird er auf Einladung der Aktionsgemeinschaft seinen alten Tatort erneut besuchen und zugleich eine Führung durch Burg Münchhausen mit einer Präsentation seines neuen Buches anbieten. Dieser Termin ist öffentlich. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich willkommen.