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Tag des offenen Denkmals präsentierte Holz als Werk- und Klangstoff

Kirche „Heilige Drei Könige“ in Oberbachem – Blick auf den Altar. (Foto: GW) Wachtberg-Oberbachem – Unter dem Motto „Holz“ widmete sich am 9. September der diesjährige Tag des offenen Denkmals dem Naturstoff als einen seit Menschengedenken zentralen und mancherorts wichtigsten Baustoff. Dass dieser Werkstoff nicht nur in den vielen denkmalgeschützten Fachwerkhäusern sondern auch noch in alten Kirchen zu finden ist, wurde in Wachtberg am Beispiel der Oberbachemer Kirche „Heilige Drei Könige“ mit einem Vortrag und anschließendem Orgelkonzert besonders herausgestellt.

Kirche „Heilige Drei Könige“: Walter Schanzen. (Foto: GW)
Holz war und ist heute noch bedeutend für viele Baumeister, Handwerker, Künstler sowie für Restauratoren und Denkmalpfleger. Gerade auch bei der Innenausstattung von Kirchen und Kapellen spielt es eine große Rolle. Walter Schanzen vom Verein für Brauchtumspflege und Ortsverschönerung Oberbachem konnte viele an diesem Thema Interessierte in der Kirche begrüßen. Sehr anschaulich machte er deutlich, wie die unterschiedlichsten Hölzer über viele Jahrhunderte bei der vorhandenen Innenausstattung als sakraler Baustoff verwendet worden waren. Insgesamt sieben verschiedene Holzarten hat Paul Giersberg, ehemaliges Ratsmitglied und durch sein großes Privatarchiv heimatkundlich ein Kenner der Materie, hier aufgelistet.

Kirche „Heilige Drei Könige" mit Kanzel. (Foto: GW)Einen ersten Blickfang beim Betreten der Kirche stellt der aus Eichenholz gefertigte Altar dar, dem Schanzen sich in seinen Ausführungen besonders widmete. Mit zwei Seitenaltären sowie den beiden Kommunionbänken und der außergewöhnlich reich verzierten Kanzel bildet der Altarraum das gestalterische Hauptgewicht. Mündlichen Überlieferungen zufolge stammen der Altar und die Kanzel aus dem Kloster Marienforst. Aus Tannenholz besteht der Schalldeckel der Kanzel, die vielen Holzfiguren sind hauptsächlich aus Lindenholz gefertigt. Trotz der unterschiedlichen Herkunft der Einrichtungsteile, so Schanzen, gelte die Oberbachemer Kirche als schönste Barockkirche in Wachtberg. Weiter findet sich unter anderem Nussbaumholz in einer Madonna ganz im Naturton, Fichtenholz bei den Holzpfeifen sowie Ebenholz bei den Obertasten der Pedalklaviatur der Orgel.

Kirche „Heilige Drei Könige“ mit prächtiger Barockorgel. (Foto: GW)Die Barockorgel bildet dann auch gestalterisch den Gegenpart zum Altarbereich. Imposant erhebt sie sich auf der Empore über dem Eingang. 1709 für eine Pfarrkirche im Westfälischen erbaut, wurde sie 1850 verkauft und nach Oberbachem transportiert. Sie ist die älteste noch erhaltene zweimanualige Orgel in der Region Bonn / Rhein-Sieg. Nicht zuletzt auch wegen ihrer außergewöhnlichen Klangqualität ist sie von überregionaler Bedeutung. Im Jahre 1998 erfolgte durch die Orgelbau-Firma Klais eine umfangreiche, barocken Vorbildern nachempfundene Überarbeitung und Nachintonation der circa 1350 Pfeifen.

Kirche „Heilige Drei Könige“: Konzert mit Gabriele und Rainer Nikorowitsch. (Foto: GW)Dass diese Orgel ein Klangdenkmal darstellt, davon brauchte Schanzen die Gäste nicht groß zu überzeugen. Schließlich sprach die Orgel doch auch für sich, denn nicht nur Holz und Zinn galt es an der Orgel am Tag des offenen Denkmals zu bestaunen, auch Musikalisches stand auf dem Programm. Bei dem anschließenden Konzert von Gabriele Nikorowitsch auf der Querflöte und Rainer Nikorowitsch an der Orgel wurde Musik aus verschiedenen Jahrhunderten dargeboten. Mit Werken von Bach, Händel, Mozart, Piazzolla u. a. konnten sich alle Anwesenden am „klingenden Holz“ erfreuen. (GW)