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Ein Mord kommt selten allein

Bochumer Mörderwoche: Herbert Reichelt las aus seinem Erstlingsroman. (Foto: Dieter Dresen) Wachtberg-Ließem - Preisfrage: Was haben Herbert Grönemeyer, der beliebteste lebende Barde deutscher Sprache, und der Berkumer Krimiautor Herbert Reichelt gemeinsam, außer dem Vornamen natürlich? Richtig, beide kommen aus Bochum, lieben diese Stadt im Ruhrgebiet und ihren unaufsteigbaren Fußballverein VfL über alles!

 

10. Wachtberger Kulturwochen (Banner)

 

Aber während ersterer bekanntlich ein legendäres Loblied auf diese graue Stadt „tief im Westehen“, singt, schaut letzterer in seinem Debütkrimi „Bochumer Mörderwoche“ hinter die Kulissen der „Blume im Revier“ und findet dort nicht nur Dornen, Unkraut und Gestrüpp, sondern tiefe, tiefböse Abgründe. Denn in diesem Roman muss Kriminalhauptkommissar Jan Kolosky gemeinsam mit seiner vor Selbstbewusstsein strotzenden und nicht unattraktiven Kollegin Martina Rendeck einen bestialisch ausgeführten Mord aufdecken. Der Leiter eines Forschungsteams beim ortsansässigen Pharma-Unternehmen Chenotrans, Dr. Markus Weindorf, ist in seinem eigenen Wohnhaus brutal hingerichtet worden. Noch bei lebendigem Leib wurde ihm seine rechte Hand abgeschlagen. Und in einer einzigen Woche, siehe Titel (!), die chronologisch und in enorm hohem Tempo geschildert wird, geschehen dann noch mehrere Morde desselben Kalibers. Spannung ist also garantiert.

Und höchst spannend war auch die Lesung von Herbert Reichelt im Rahmen der „Wachtberger Kulturwochen“ im idyllischen, jeglichen Verbrechens unverdächtigen Köllenhofs zu Ließem vor leider, wohl wegen des herrlichen Sommerabendwetters, zahlenmäßig überschaubarem, aber konzentriert lauschendem, teilweise schmunzelndem Publikum. Reichelt las nämlich nicht nur interessante, spannende Passagen aus seinem Roman vor, sondern verstand es immer wieder geschickt, seine Protagonisten, die einzelnen Charaktere und die verwobenen Handlungsstränge amüsant vorzustellen und locker miteinander zu verknüpfen. Aber auch der Aktualität der Thematik des Romans, Machenschaften und Intrigen in der Pharmaindustrie, und der versteckt angedeuteten Motive für die Mordserie, die hier natürlich aus verständlichen Gründen nicht verraten werden dürfen, ist es zu verdanken, dass diese ungewöhnliche Lesung in Erinnerung bleiben wird. Zumal einige Handlungsorte auch hier im Rheinland zwischen Wahner Heide und Koblenz, in der Nähe Wachtbergs also, angesiedelt sind!

Bochumer Mörderwoche (Titelseite)


Nicht nur richtig verdammt böse Mörder sind also unter uns, sondern auch verdammt richtig gute Kriminalautoren! (Dieter Dresen)

(Herbert Reichelt: »Bochumer Mörderwoche«, cmz-Verlag, Rheinbach, ISBN: 978-3-87062-165-0, Preis: 12,95 €)