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Schubertiade eröffnet 11. Wachtberger Kulturwochen - Musik und Einblicke in das Leben eines Genies

Eröffnungskonzert: Bariton Frederik Schauhoff wurde am Klavier begleitet von Yingwei Chen. (Foto: Gemeinde Wachtberg) Wachtberg-Gimmersdorf (mm) – Die 11. Wachtberger Kulturwochen sind gestartet. Mit einem Konzert ganz besonderer Art begann im Atelier Franke in Gimmersdorf am vergangenen Freitag die diesjährige Ausgabe der inzwischen weit über die Ländchen-Grenzen hinaus bekannten Veranstaltungsreihe.

Wachtberger Kulturwochen 2017 (Banner)


Als Teil des Rheinischen Kultursommers befinden sich die Wachtberger Kulturwochen in bester Gesellschaft mit unter anderem den Kölner Lichtern und den Brühler Schlosskonzerten, freute sich Bürgermeisterin Renate Offergeld. Der Künstler Michael Franke hatte wieder seine großartigen Atelierräume zur Verfügung gestellt. Und das, obwohl er sich eigentlich zurzeit zu Ausstellungsvorbereitungen in Italien aufhält. So dankte Offergeld Franke, der eigens für diesen Tag angereist war, auch besonders herzlich für die erneute Unterstützung der Wachtberger Kulturwochen.

Schubertiade - Musik und Prosa im Wechsel
„Schubertiade“ hatte das Borea Barockorchester unter Leitung von Robert Wittbrodt das Programm betitelt und überraschte die Gäste in der vollbesetzten Franke’schen Sakralscheune neben ausgewählter Musik von Franz Schubert vor allem mit Schubert-Liedern. Bariton Frederik Schauhoff, teils vom Orchester, teils am Klavier begleitet von Yingwei Chen, trug diese bekannt meisterlich vor. Zwischen den Musikdarbietungen bereicherte Wittbrodt das Ganze mit kleinen Lesungen. Die Texte stammten sowohl von Freunden und Zeitgenossen Schuberts als auch von Literaten der Gegenwart.

Franz Schubert – sein Leben
​So bot das Konzert nicht nur eine Auswahl des musikalischen Werks Schuberts, sondern erlaubte mit den literarischen Auszügen aus Erzählungen und Gedanken Dritter auch einen ganz persönlichen Blick auf das Leben und Wirken von Franz Schubert (1797-1828).
Eröffnungskonzert: Das Borea-Barockorchester und Bariton Frederik Schauhoff. (Foto: Gemeinde Wachtberg)

​Deutlich wurde dabei die enge Verbindung Schuberts zur Lyrik, die sich in seinen vielen schönen Lied-Kompositionen spiegelt. So schrieb der österreichische Dichter und zeitweilige Mitbewohner Schuberts, Johann Mayrhofer (1787-1836), über seinen Freund: „Ich dichtete, er komponierte zu meinen Dichtungen.“ Der ebenfalls mit Schubert befreundete Wiener Lustspieldichter, Eduard von Bauernfeld (1802-1890), versuchte sich in einer Erklärung zu Schuberts zuweilen etwas angeschlagenem Ruf als „versoffener Wilder“ und erzählte von zwar gemeinsamen ausschweifenden Festen und immer wieder finanziell klammen Zeiten, schwärmte dabei jedoch immerwährend von Schuberts Genialität, Literatur in Musik umzuwandeln. Auch bei den Gegenwartsschriftstellern finden sich Gedanken über und zu Franz Schubert. So sieht die ostdeutsche Schriftstellerin Eva Strittmatter (1930-2011) in Schuberts „Rosamunde“ dessen eigene (Lebens-)Wanderung. Peter Härtling (1933-2017) widmete gar einen Roman dem Genius Schuberts, und der polnische Dichter Adam Zagajewski (*1945) ließ den Komponisten, der schon mit 31 Jahren starb, in einer ‚Pressekonferenz‘ über sich sinnieren: „Ja, ich habe kurz gelebt … habe gelebt. Ja, ich hatte wenig Zeit … ich erinnere mich an alles.“

Franz Schubert – seine Musik
Eröffnungskonzert: Stillleben mit Instrumenten des Borea-Barockorchesters vor Michael Frankes Kunst. (Foto: Gemeinde Wachtberg)

Der ausgeprägten Affinität Schuberts zur Lyrik und der besonderen Wechselwirkung von Poesie und Musik hatte das Borea Barockorchester bei der Musikauswahl Rechnung getragen. Neben der Ballettmusik Nr. 9 und der Zwischenaktmusik Nr. 3 aus Schuberts „Rosamunde“ füllten Schubert’sche Lieder das Programm. Eindrucksvoll trug Schauhoff, stimmig begleitet von Yingwei Chen am Klavier, Mayrhofers Gedicht und von Schubert schwermütig vertontes Lied „Sehnsucht“ vor, ebenso das auf Friedrich von Schillers Dichtung zurückgehende Lied „Dithyrambe“. Auch die Lieder „Der Wanderer“ und „In der Ferne“ brachten beide bravourös zu Gehör. Mit großer Orchesterbegleitung standen schließlich unter anderem bekannte Lieder wie „Der Wegweiser“ aus Schuberts „Winterreise“, der „Tränenregen“ aus „Die schöne Müllerin“ und „Ihr Bild“ aus „Schwanengesang“ auf dem Programm. Besonders schön auch das Lied „Du bist die Ruh“ nach Friedrich Rückert, bei dem Horn, Klarinette und Oboe ein bezauberndes Zwiegespräch im Hintergrund boten. Die zwölf Musikerinnen und Musiker des Borea Barockorchesters überzeugten auch bei dieser Aufführung mit ihrem perfekten, harmonischen und bei der Begleitung von Bariton Frederik Schauhoff einfühlsam zurückgenommenen Spiel.

In der Pause stellte der Wachtberger Partnerschaftsverein seine Arbeit vor und bot den Gästen kleine Snacks und Getränke zur Erfrischung an.
 

Neue Kunst und alte Kultur

Führung von Michael Franke durch sein Atelier
Am Sonntag nach dem Eröffnungskonzert hatte Gastgeber Michael Franke zu einer persönlichen Führung in sein Atelier eingeladen. „Tinia Cilens – Die Verbindung des obersten Himmelsgottes der Etrusker Tinia mit der Schicksalsgöttin Cilens“ hat er seinen aktuellen Arbeitszyklus betitelt.

Führung durchs Atelier mit Michael Franke. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)

​Rund ein Dutzend Kunstinteressierter kam. Bei der Betrachtung der zumeist großformatigen Ölbilder - Franke hatte eigens fürs Wochenende einige Werke aus Italien mitgebracht - ergab sich schnell ein reges Gespräch zwischen den Gästen und dem Künstler. Franke berichtete von seinen umfassenden, dem Bilderzyklus „Tinia calusna“ vorausgegangenen Recherchen zur etruskischen Kultur. Franke greift in seinen Arbeiten wichtige Aspekte dieser hochentwickelten, aber, wie er bedauert, wenig beachteten Kultur auf, wie deren enge Verbindung zur Natur, zur Urmutter Erde und deren beeindruckende Bestattungsriten.

Michael Frankes Bilder werden demnächst in einer großen Gemeinschaftsausstellung in Viterbo, Orvieto und Chiusi in Italien zu sehen sein.