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Es lebe unsere Freundschaft - 40 Jahre Partnerschaft Wachtberg - La Villedieu du Clain

PV-Jubiläum: (v.l.) Partnerschaftsvorsitzende Bernadette Conraths mit den Musikern*innen Andreas Merziger, Annette Briechle, Anny Franke und Nico Heinrich. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm) Wachtberg (mm) – „Salut!" Küsschen rechts, Küsschen links, freudiges Stimmenwirrwarr, deutsche Töne gemischt mit französischen und italienischen, Lachen und überall strahlende Gesichter. Derart fröhlich ging es letzten Samstag beim Festakt anlässlich des 40jährigen Bestehens der Partnerschaft Wachtbergs mit dem französischen La Villedieu du Clain zu.

Partnerschaftsverein Wachtberg e.V. (Logo)

 

 

 


Bereits zwei Tage zuvor waren schon über hundert Gäste aus den Partnergemeinden, denn seit 2008 gehört auch das italienische Bernareggio zur nun trinationalen Partnerschaft, nach Wachtberg angereist. Mit ihren deutschen Gastfamilien hatten sie am Vortrag bereits ein buntes Programm erlebt, unter anderem das Konrad-Adenauer-Haus besucht, auf einer Rundfahrt durchs Drachenfelser Ländchen von Bürgermeister a.D. Hans-Jürgen Döring Interessantes über Wachtberg erfahren und abends auf einer Party zur Musik der kölschen Band „Jedöns“ getanzt. Neue Freundschaften waren geschlossen worden und langjährige vertieft worden. Und so war es eine eher familiär als offiziell anmutende Stimmung, als sich am Samstagvormittag alle zum Festakt im Hotel Dahl in Niederbachem einfanden.

PV-Jubiläum: Bürgermeisterin Renate Offergeld. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)
Willkommen!

„Bienvenus, benvenuti, willkommen!“ begrüßte Bürgermeisterin Renate Offergeld die Gäste. 40 Jahre Partnerschaft zwischen Wachtberg und La Villedieu, mit Bernareggio zu einer trinationalen Gemeinschaft geworden, sagte sie stolz, das sei „lebendig, dynamisch, vielfältig, kompliziert, eigenwillig, schon mal liebenswürdig chaotisch, fröhlich, offen, kreativ …europäisch eben!“

Besonders hob sie hervor, dass alle Generationen mitmachten, die Gründer bereits lange Großmütter und -väter seien, und inzwischen nun schon die Kinder der dritten Generation am Austausch teilnähmen.
Sie dankte allen Mitwirkenden dafür, dass sie die Vision der Freundschaft und der Gemeinsamkeit so vielfältig umgesetzt, gelebt und gepflegt haben.

„Wir haben Einzigartiges  gemeinsam geschaffen in diesen Jahrzehnten!“ resümierte sie und wünschte allen „Bon courage, buon coraggio, guten Mut  - denn es gibt mehr denn je zu tun: Packen wir’s nach den Feiern also wieder an!“
 



Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!

PV-Jubiläum: Roland Bouchet, Bürgermeister von Aslonnes und Vizepräsident des französischen Gemeinschaftsverbundes La Vallèe du Clain. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)Roland Bouchet, Bürgermeister von Aslonnes und Vizepräsident des französischen Gemeinschaftsverbundes La Vallèe du Clain, verlas stellvertretend für den Präsidenten Gilbert Beaujaneau dessen Glückwünsche. Dieser sah in seinem Brief die Partnerschaft an als ein Zeichen von Freundschaft, von fortlaufendem gegenseitigem und respektvollem Entdeckerwillen und erinnerte an diejenigen, die am Anfang dieser Annäherung gestanden, die diesen Austausch erhofft, geformt und gewollt haben.

„Jahr für Jahr, Jubiläum für Jubiläum, Austausch für Austausch haben wir verstanden, uns kennen­zulernen und zusammen die Brüderlichkeit aufzubauen, die wir heute feiern“, zitierte Bouchet Beaujaneau. „Wir haben alle eine eigene Identität und Werte, an denen wir hängen. Wir haben aber auch eine gemeinsame Zukunft und ein gemeinsames Schicksal, die wir für unser Wohlergehen und den dauerhaften Frieden gemeinsam bearbeiten müssen.“

Dieses Europa müsse das der Bürger bleiben und auf dem Gespräch der Kulturen und der Freundschaft gründen, genau da läge die Herausforderung für die Partnerschaft. „Es lebe die deutsch-französische Freundschaft, es lebe die Freundschaft zwischen Wachtberg und la Villedieu du Clain!“
 

PV-Jubiläum: Michel Bugnet, Bürgermeister von Nouaillé Maupertuis. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)
Vive l’Europe!

Michel Bugnet, Bürgermeister von Nouaillé Maupertuis, stellte die Frage, ob es nicht etwas Ersprießlicheres gäbe, als miteinander die Freundschaft zwischen unseren drei Völkern zu feiern, zwischen unseren drei Fleckchen Erde in Europa, in dem in der Vergangenheit die Menschen sich gegenseitig zerfleischt hätten.

„Wir wissen den Wert der Freundschaft, die gegenseitigen Besuche der Bewohner, die Jugend-Austausche zu schätzen; sie tragen wesentlich dazu bei, sich besser kennen und wertschätzen zu lernen, um die Greuel der Vergangenheit nicht wieder zu begehen.“

Räumlich lebten wir zwar fern voneinander, räumte er ein, aber eben deshalb müssten wir uns aufeinander zu bewegen, Abgrenzung und Verschleierung vermeiden, denn uns verbände nicht nur die Geschichte von hundertjähriger Feindschaft mit Blut, Schweiß und Tränen, sondern auch von Größe, Fortschritt und Wohlergehen.


Er sei stolz, Franzose zu sein, schloss Bugnet, er sei Italiener, Deutscher, Europäer! „Es lebe Wachtberg! Es lebe der Partnerschaftsverein! Es lebe Europa!“                                                                     


Das Europäische Projekt

PV-Jubiläum: Dr. Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)Auch Dr. Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, blickte in seiner Festrede auf 70 Jahre Frieden in Europa zurück.

Frieden über einen solch langen Zeitraum, sagte er, habe es noch nie gegeben. Das sei ein großes Geschenk, ein Schatz, den es zu hüten gelte, und eine Verantwortung, etwas daraus zu machen und diesen Frieden nie wieder preiszugeben.

In den letzten Jahren stehe das Europäische Projekt allerdings vor neuen Herausforderungen. Europa müsse seine Rolle, sein Verhältnis zur Welt neu definieren. „Wer, was wollen wir Europäer in einer sich neu formierenden Welt sein?“, das sei die Frage.

Das Europäische Projekt sei das erfolgreichste Projekt eines Zusammenschlusses von Nationalitäten in der Geschichte, aber es dürfe nicht statisch werden, sondern sei gefordert, sich anzupassen. Gerade mit Blick auf aufkommende nationalistische Bestrebungen sei der Zusammenschluss umso stärker gefordert: „Nur zusammen können wir uns behaupten!“ … ansonsten seien wir „viele kleine Zwerge in Europa“. Röttgen wünschte sich eine Agenda aus tatkräftigen Akteuren, die diesen europäischen Gedanken gemeinsam stärken.

Besonderen Dank richtete er in diesem Sinne an die Partnerschaftsvereine: „Das ist das Beste! Es lebe diese trinationale Partnerschaft! Vive l’Europe!“
 

Ein prächtiger Baum

PV-Jubiläum: Bürgermeister a.D. Hans-Jürgen Döring. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)


Wachtbergs Altbürgermeister Hans-Jürgen Döring verglich in seiner Rede die Partnerschaft mit La Villedieu du Clain mit einem Baum.

In vierzig Jahren könne ein Baum zu einem prächtigen Exemplar heranwachsen, aber am Anfang sei er immer nur ein kleiner Keimling. In dem habe aber, so Döring, von Anfang schon alles drin gesteckt.

Und so erinnerte er sich an seine erste Begegnung, im Herbst des Jahres 1976, mit Raymond Fumeron aus La Villedieu du Clain. Trotz Sprachbarrieren sei direkt eine gegenseitige Sympathie da gewesen; Körpersprache, Zuneigung, Temperament und Freundlichkeit hätten alles spielend überbrückt. „Das waren die Anlagen im Keimling“, so Döring, der mit einem amüsanten Blick auf erste Gegenbesuche das Bild der damaligen Anfänge wieder aufleben ließ.

Jetzt sei der Baum ein prächtiger Baum, der an Form und Struktur dadurch noch gewonnen habe, dass Bernareggio Dritter im Bunde wurde. Heute sei La Villedieu für ihn, wie auch für viele andere, wie ein zweites Zuhause geworden: „Und ich wünsche mir, dass dies so bleibt.“
PV-Jubiläum: Pierre Cartraud, Altbürgermeister der Region La Villedieu du Clain (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)
 

Abenteuerliche Fahrt 1978

Nicht weniger herzlich und unterhaltsam blickte Pierre Cartraud, Altbürgermeister der Region La Villedieu du Clain, auf die Anfänge der Partnerschaft mit Wachtberg zurück, unter anderem auf die 1978 unternommene abenteuerliche Fahrt nach Wachtberg – in einem alten Renault-Bus, in den sie, weil ein Sitzplatz für die siebenköpfige Delegation fehlte, einfach einen Gartenstuhl reingestellt hätten. Das Fahrzeug war „sehr langsam, dafür brauchte es umso mehr Benzin.“

Seit diesem ersten Besuch habe er viel erlebt und viele gute Erinnerungen behalten, sagte Cartraud und wünschte „uns allen, dass unsere Freundschaft noch lange weiterbesteht und sich gerade auch angesichts der sich Europa nähernden Wolken weiterentwickelt und verfestigt. Es lebe unsere Freundschaft!“

 


Danke

PV-Jubiläum: Bernadette Conraths, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Wachtberg. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)
Bernadette Conraths, Vorsitzende des Wachtberger Partnerschaftsvereins, dankte allen, die diesen Verein gegründet und vorangebracht haben. Sie sei stolz, in diesem außergewöhnlichen trinationalen Partnerschaftsverein gemeinsam mit vielen Freunden und Weggefährten einen Beitrag zu leisten, damit Europa hier und jetzt den gerade aufwachsenden Kindern immer noch wunderbare Chancen bieten könne.

 

PV-Jubiläum: (v.l.) Partnerschaftsvorsitzende Bernadette Conraths mit den Musikern*innen Andreas Merziger, Annette Briechle, Anny Franke und Nico Heinrich. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)

 

 

Musikalisch begleitet wurde der Festakt von Annette Briechle (Gesang), Anny Franke (Gesang, Piano) sowie Nico Heinrich (Tenor) und Andreas Merziger (Piano), allesamt Wachtberger*innen.