Gemeinde Wachtberg

Podiumsdiskussion über den Wert ländlicher Kulturarbeit

Kultur in Wachtberg Verein Kunst und Kultur hatte Wachtberger Persönlichkeiten zum gemeinsamen Gedankenaustausch gebeten.

Gut besucht war der Büchereiraum des Köllenhofs am Mittwoch, dem 5. September, im Rahmen der Wachtberger Kulturwoche. Der Verein Kunst & Kultur in Wachtberg e.V. hatte eingeladen, um interessante Persönlichkeiten über die Frage diskutieren zu lassen, ob ländliche Kulturarbeit mehr eine Sache für einige wenige Begeisterte sei oder eine politische Notwendigkeit für den Marktwert einer Kommune und der Lebensverhältnisse ihrer Einwohner. Gekommen waren Außenminister a. D. Hans-Dietrich Genscher, Bürgermeister Theo Hüffel, die Feuilleton-Redakteurin des Rheinischen Merkur Brigitta Mogge-Stubbe, Prof. Giesbert Hülsmann als Architekt und Städteplaner sowie Oliver Steller, in Ließem geborener freischaffender Musiker und Rezitator. Gekonnt und souverän geleitet wurde die Diskussionsrunde von Robert Hein, Geschäftsführer des einladenden Vereins.

Mehrfach Beifall erhielt Hans-Dietrich Genscher, seit 30 Jahren Wachtberger Bürger, für sein Plädoyer zugunsten einer konsequenten Kulturarbeit, verbunden mit einer verstärkten Investition in die Bildung. Nur wer seine eigene Kultur und die anderer Völker kenne, könne Zusammenhänge richtig einordnen und nicht zuletzt auch die Herausforderungen der Globalisierung erfolgreich bewältigen.

Brigitta Mogge-Stubbe zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit dem Kulturangebot der Gemeinde, forderte aber mehr Initiativen zur Verbindung der Generationen. Sie vermisse in den für die Größe der Gemeinde unglaublich vielfältigen Angeboten gezielte Themen für die Jugend - wie man diese aber tatsächlich erreichen könne, wisse sie auch nicht. Bürgermeister Theo Hüffel bekannte sich deutlich zur Kulturarbeit, warb aber um Verständnis dafür, dass er diese im Rahmen aller Aufgaben einer Gemeinde einzuordnen habe. Die Haushaltslage zwinge ihn, auf finanzielle Unterstützung grundsätzlich zu verzichten, die Gemeinde biete aber durch die Bereitstellung von Räumen und Personal eine Plattform, auf der sich die Angebote der freien Träger und der Vereine entwickeln könnten. In der Summe kämen hier Beträge zusammen, die um ein mehrfaches über dem lägen, was eine Bezuschussung einzelner Projekte ausmache.

Dem freischaffenden Künstler Oliver Steller genügte dies jedoch nicht. Er forderte eine durch Subventionierung getragene Preispolitik für Veranstaltungen, die damit auch niedrigen Einkommensgruppen und Sozial- sowie Hartz IV-Empfängern zugänglich würden. Außerdem lägen die mit Freischaffenden vereinbarten Honorare teilweise unter der Grenze, die eine vernünftige Existenz gewährleiste. Podiumsdiskussion während der 1. Wachtberger Kulturwoche

Der Niederbachemer Professor Hülsmann forderte mehr Lenkung in der Kulturarbeit verbunden mit der Frage, wohin die Kultur in Wachtberg eigentlich wolle und wie ein solchermaßen zu definierendes Ziel zu erreichen sei.

Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmer in der Bewertung der Eingangsfrage: Kulturarbeit auch im ländlichen Raum müsse als unbedingte Notwendigkeit angesehen werden. Einige Beiträge machten auch deutlich, dass insoweit Wachtberg schon seit Jahren auf dem richtigen Weg sei.

Vereinsvorsitzender Hans-Jürgen Döring überreichte den Diskutanten je eine Flasche Wein, verbunden mit dem Dank des Gastgebers.

An der Theke in der Diele des Köllenhofs konnte man anschließend noch recht lange mit Hans-Dietrich Genscher und den anderen Diskussionsteilnehmern des Abends weiter diskutieren, wovon viele Besucher kräftig Gebrauch machten.

H.-J. Döring