Gemeinde Wachtberg

"Den Preis bestimmt der Här Doktor selvs"

Kultur in Wachtberg Vortrag über die Villiper Blumenfrau Veronika Schüffelgen. /

Einen kleinen Eindruck davon, wie groß die Nachkommenschaft der legendären Villiper Blumenfrau Veronika Schüffelgen (1845 – 1937) ist und wie viele Menschen darüber hinaus sich für ihr Leben interessieren, konnte man beim mehr als gut besuchten Vortrag "Den Preis bestimmt der Här Doktor selvs" bekommen, den die Historikerin Barbara Hausmanns im Rahmen der Wachtberger Kulturwoche am 06. September 2007 in der Villiper Gaststätte Die Blumenfrau SchueffelgenGörres hielt. Dazu hatte Horst Schüffelgen Fotoalben durchstöbert sowie Dokumente zusammengetragen und Jörg Weyres aus seinem umfangreichen Wachtberger Bilderarchiv Motive aus der Zeit beigesteuert - wie auch Dieter Bach mit einem Jugendbild seines Vaters Jakob. Der spätere Villiper Bürgermeister hatte als kleiner Junge Maiglöckchen für die Blumenfrau gepflückt, die diese dann in Bonn an die "Häre Doktere", die Studenten der Universität, verkaufte. Natürlich standen die Ereignisse um die Gratulation des deutschen Kaisers Wilhelm II. zur Goldenen Hochzeit von Veronika Schüffelgen - kurz vor Kriegsende 1918 - mit Geschenk und "allerhöchster Unterschrift" auf einem Kaiserbild im Mittelpunkt des Vortrags. Selbstbewusst, geschäftstüchtig, humorvoll und herzlich wurde die rundliche Villiper Blumenfrau in Bildern und Worten wieder lebendig, die unter den Bonner Studenten schnell „Kultstatus“ erlangt hatte. Ähnlich wie die berühmte Lindenwirtin Aennchen Schumacher, mit der sie gut bekannt war, war sie zu einer lebensklugen und verständnisvollen Ratgeberin für viele ihrer jungen Kunden im Liebesleid oder Liebesglück geworden. Barbara Hausmanns dazu: "Heute würde man die kluge Geschäftsfrau mit dem verschmitzten Lächeln, die zehn Kinder großzog, vermutlich emanzipiert nennen."

Aber die Referentin lieferte mehr als ein facettenreiches Porträt der "Mutter Schüffelgen" ab, die über Jahrzehnte Tag für Tag mit ihren Blumen durch den Kottenforst nach Bonn wanderte, um mit den erlösten Groschen die Familie zu ernähren. Es entstand ein teils launiges, teils nachdenkliches Bild des Lebens auf dem Land in jener Zeit und der Verknüpfung des bürgerlich-studentischen Bonns mit der ländlichen wie auch der adeligen Bevölkerung des heutigen Wachtbergs. Dass sich der Ruhm der Blumenfrau auch lange nach der Aufgabe ihres Geschäfts im hohen Alter erhielt, belegt die Fülle der Glückwünsche, die sie zu ihrem 90. Geburtstag erhielt. Dabei vertat sich ihre Freundin Aennchen Schumacher allerdings um ein Jahr - wie man in Kürze auch in dem neuen Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises nachlesen kann - und gratulierte entsprechend zu früh, was die eine alte Dame der anderen alten Dame aber keineswegs übel nahm.